Superfood Gerstengras und was “Greens” wirklich können…

Marc Sonderegger/ October 22, 2018

Der heutige Artikel steht ganz im Zeichen der Farbe grün, ja, eigentlich müsste er sogar in grüner Farbe geschrieben sein 🙂

Die Nutzung von grünen Pflanzen hat eine lange Tradition in der alternativen Medizin und neuerdings auch in der funktionellen Ernährung und Supplementindustrie. Sie gelten als “die aktive Substanz“ für unseren Organismus.

Genauer gehen wir in diesem Artikel auf die „junge grüne Gerste“, auch Gerstengras genannt, ein. Des neuste „Superfood“ hat ihren Ursprung in Asien und wurde einmal mehr via Hollywood über den „Teich“ gebracht. In den USA wird die Pflanze mittlerweile für Smoothies und vieles mehr gebraucht. Doch wie nützlich ist sie tatsächlich?

Gerstengras enthält, übrigens wie viele andere „Greens“ ebenfalls, viele nützliche Stoffe, die positive Effekte für die menschliche Gesundheit bringen. Diverse Quellen berichten auch über positive Auswirkungen bei Diabetes, Fettleibigkeit, Krebs, Entzündungen und einigem mehr. Eine wissenschaftliche Studie (Yamaura 2015) zeigt ebenfalls stressmindernde Effekte bei Tests mit Mäusen.

Das “grüne Wunder” unterstützt bei der Verdauung und damit verbunden bei der  “Entgiftung” des Körpers (Abbau von toxischen Stoffen und freien Radikalen).

Des Weiteren soll es den Zucker- und Cholesterinspiegel im Blut senken und das Abwehrsystem des Organismus stärken. Gerstengras hat also bestimmt einige positive Effekte auf den Körper, sowohl auf physischer als auf psychischer Ebene (dies gilt es beim Menschen allerdings noch zu bestätigen).

Welche Stoffe des Gerstengrases sorgen für diese Effekte? 

Allgemein enthält sie eine breite Palette an Vitaminen, Antioxidantien und bioaktiven Substanzen. In signifikanter Menge sind dies: 

Vitamin B1, B2, B6, Kalzium, Magnesium, Zink, Kupfer, Eisen, Folat, Pantothensäure, Chlorophyll. Als Antioxidantien gelten zudem Vitamin E und C, Carotinoide, O-Glykosyl-Isovitexin und die Enzyme Superoxid-Dismutase sowie Katalase. 

Auf das tatsächliche Vorkommen und namentlich die Menge dieser aufgeführten Stoffe haben allerdings diverse Faktoren grossen Einfluss: die Bodenqualität, die Technik der Ernte, die Bearbeitungsmethode und das Alter der Pflanze. Gerade das Alter der Pflanze ist sehr wichtig, weil die grüne Gerste die grössten Stoff-Konzentrationen nur für kurze Zeit in einem Alter von ca. einer Woche (15-20cm Pflanzenhöhe) hat.

Als Nutzer haben wir die Möglichkeit, Gerstengras in Pulver-, Tablettenform oder frisch zu gebrauchen. Beim Kauf sollte man wie immer auf hohe Qualität setzen. Einige Hersteller  bieten Gerstengras auch getrocknete bzw. gehackt an. Das ist zwar billiger, aber nicht so effektiv (da nicht so konzentriert) und es kann auch den Verdauungstrakt reizen. 

Bei der Verwendung von Pulver ist die Bearbeitungsmethode und die nachträgliche Konservierung wichtig, weil hier verschiedene Prozesse angewendet werden. Die gepresste junge grüne Gerste kann erst als Saft und später getrocknet (30°C) oder aber eingefroren (-18°C) oder gefriergetrocknet werden. Die Autoren (Paulíčková et al. 2007) führen an, dass die beste Konservierungsweise das Einfrieren sei. Gefriergetrocknet hatte ein um etwa 30 % schlechteres Ergebnis bezüglich dem Inhalt von Antioxidantien und anderen bioaktiven Stoffen.

In Mitten der Flut von positiven Effekten und Superlativen existiert auch eine negative Sicht auf das neu prognostizierte Superfood. Jarvis (1997) zum Beispiel führt an, dass „Gerstengras” durch kluges Marketing berühmt gemacht wurde (was übrigens nicht das erste Superfood wäre). Die verwendete empfohlene Menge enthalte nicht signifikante Mengen an Vitaminen und Antioxidantien. Weiter wird auf ein sehr stark verarbeitetes Produkt hingewiesen, dessen Preis überhöht sei. Andere Kritiker sehen Gerstengras als Verursacher von Durchfall oder allergischer Reaktionen sowie gar als Quelle von Toxinen, u.a. Spuren von Schwermetallen oder tierischen Düngemittel. Konsumenten sollten hier die Herkunft und Bearbeitung genau unter die Lupe nehmen.

An dieser Stelle müssen auch kurz andere „Greens“ erwähnt werden, weil sie oft in die gleiche Kategorie von Nährungsergänzungsmitteln fallen. Die Rede ist von Spirulina und Chlorella. 

Spirulina ist eine spiralige faserige Blaualge, die systematisch zu den Bakterien gehört. Der menschliche Körper kann Spirulina gut absorbieren. Sie hat aber weniger Chlorophyll als Gerstengras, dafür andere nützliche Stoffe wie z.B. Phykocyanin (Antioxidant, anti-inflammatorisch und antikarzinogen). 

Chlorella ist eine einzellige Süsswasseralge, die im Gegensatz zu Gerstengras eine 10 mal grössere Menge an Chlorophyll hat. Da Chlorella aber zellulosehaltige Zellwände besitzt und diese vom menschlichen Körper nicht verdaut werden können (und dadurch oft Verdauungsbeschwerden auftreten), werden sie vorher oft aufgebrochen. Dies kann aber  zu einem geringeren Entgiftungs-Effekt führen.

Gerste hat Tradition in Europa!

Zum Schluss noch etwas Interessantes allgemeiner Natur. Der Anbau der Gerste hat in Europa eine starke Tradition. So ist sie das zweitbedeutendste Getreide der Schweiz. 

Dennoch kommen die meisten Produkte aus Gerstengras aus den USA, Kanada, Australien, China, Neuseeland usw. Es spricht also gar nichts dagegen, sein eigenes Gerstengras herzustellen! Uns so einfach geht’s:

Gersten-Samen, Blumentopfs und ein bisschen Erde kaufen. Einpflanzen und warten. Nach ungefähr einer Woche und einer Höhe von 15-20 cm kann man den frischen Gersten-Saft auspressen und trinken.

Wem das zu kompliziert und langwierig ist: Gersten-Pulver oder Tabletten machen ihren Job auch!

geschrieben von Adéla Rathovà

 

Quellen:

ČESKÁ TELEVIZE (2012): Zelený ječmen

http://www.ceskatelevize.cz/zpravodajstvi-brno/zpravy/173946-udelejte-si-stavu-ze-zeleneho-jecmene-radi-vedci-z-mendelovy-univerzity/

EHRENBERGEROVÁ, J. et al (2009): Antioxidant enzymes in barley green biomass

https://www.researchgate.net/publication/24429610_Antioxidant_Enzymes_in_Barley_Green_Biomass

FEDERAL STATISTICAL OFFICE SWITZERLAND (2015): Swiss agriculture

https://www.bfs.admin.ch/bfsstatic/dam/assets/349914/master

JARVIS, W., T. (1997): Barley green

https://www.ncahf.org/articles/a-b/barleygreen.html

LAHOUAR, L., EL-BOK, S., ACHOUR, L. (2015):Therapeutic Potential of Young Green Barley Leaves in Prevention and Treatment of Chronic Diseases: An Overview

https://www.worldscientific.com/doi/pdf/10.1142/S0192415X15500743

PAULÍČKOVÁ, I. et al (2007): Evaluation of barley grass as a potential source of some nutritional substances

https://pdfs.semanticscholar.org/86a1/5c0ae302757c4bb062e6f4258954d13b95e6.pdf

TANG, G., SUTER, P., M. (2011): Vitamin A, Nutrition, and Health Values of Algae: Spirulina, 

Chlorella, and Dunaliella 

http://www.lifescienceglobal.com/media/zj_fileseller/files/JPANSV1N2A04-TangOA.pdf

YAMAURA, K. et al (2015): Protective effect of young green barley leaf (Hordeum vulgare L.) on restraint stress-induced decrease in hippocampal brain-derived neurotrophic factor in mice

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4461973/

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